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Eröffnung der Poyabrücke 2014
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Vidmarhallen (Foto: A.Rulka)
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Villa Favorite um 1870. Im Hintergrund links ist die Heiliggeistkirche zu sehen. (Foto: unbekannt)
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1914 entsteht der hellblaue Anbau als Speisesaal des Park-Hotels Favorite
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Kilian Wenger leitet die Führung
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Ein Hauch von Piccadilly Circus auf dem Von Roll Areal
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1894 – Rote Brücke: Blick vom Münsterturm Richtung Nordwesten
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1989 – Lorrainebrücke und Eisenbahnbrücke aus demselben Blickwinkel
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Veranstaltungsberichte

Ein b(r)augeschichtlicher Rundgang in der Brauerei Egger

Worb, 13. September 2014 - Europäische Tage des Denkmals

Eigentlich hatte Gottfried Egger 1855 die Schweiz verlassen und eine Brauerei in der Nähe von Chicago aufgebaut. Dann aber wollte es das Schicksal, dass seine Frau das "von Büren- Gut" in Worb erbte und ihn veranlasste zurück in die Heimat zu reisen. In der Scheune des Landgutes richtete er 1863 eine Brauerei ein und seit daher gehört Egger-Bier zu Worb und ist immer noch in Familienbesitz.

Marianne Egger und Heinz Egger gaben anlässlich dem Tag des Denkmals vielseitige Einblicke in den Betrieb, die Produktion und die Gebäude des Egger Areals.

Kurzbericht als pdf

Inventare: gestern, heute, morgen?

Tagung des Schweizer Heimatschutzes am 15. November 2012 in Biel

Rund 170 Fachleute aus der ganzen Schweiz nahmen an der vom Schweizer Heimatschutz organisierten Tagung in Biel teil. Acht Referentinnen und Referenten aus Denkmalpflege, Heimatschutz, Universität, Architektur und Recht berichteten über die Erfahrungen, die sie in ihrer täglichen Arbeit mit den Inventaren machen.

Inventare sind wichtige und praktische Hilfsmittel, wenn es darum geht, den Wert von Kulturgütern zu beurteilen – aber sie können längst nicht alles regeln. Eine besondere Schwierigkeit liegt darin, dass jüngere Bauten häufig noch nicht erfasst sind, da es einen gewissen zeitlichen Abstand braucht, um die Qualität eines Objekts zu erfassen. Im Kanton Bern betrifft dies zu einem grossen Teil die Architektur ab den späten 1960er-Jahren, die nun in die Jahre kommt, und die saniert und renoviert werden soll: sie ist unter Umständen durch keinen Inventareintrag vor Eingriffen in ihre Substanz geschützt.

Dass potenzielle Inventarobjekte letztendlich auch "nur Geschmackssache" sein können, illustrierte die Denkmalpflegerin der Stadt St. Gallen. Entgegen den Empfehlungen der Fachleute lehnte die Exekutive die Aufnahme der Wohnhochhäuser "Achslen" ab. Folge davon ist eine willkürliche Fassadengestaltung, welche den historischen Wert der Gebäude klar beeinträchtigt.

Gerade um Zusammenhänge zu verstehen und sogenannten "Schandflecken" eine Stimme zu geben sind Inventare wertvoll. Verschiedene Referenten wiesen an der Tagung auf die Wichtigkeit der Inventare bezüglich einer klaren und umfassenden Kommunikation hin. Wessen Aufgabe es letztendlich ist, die breite Öffentlichkeit für unsere identitätsstiftende Baukultur zu sensibilisieren blieb am Ende der Tagung aber offen. Klar ist, dass Inventare ein Mittel mit noch nicht ausgeschöpftem Potenzial sind, auch wenn es nicht an zeitgenössischen Zugängen zu unserem kulturellen Reichtum mangelt.

Bauinventar der Stadt Bern
http://www.bern.ch/stadtverwaltung/prd/bauinspektorat/gesetze/bauinventar

App der Denkmalpflege des Kantons Bern
http://www.ifreeware.net/download-denkmappbe.html

Tagungsdokumentation
http://www.heimatschutz.ch/index.php?id=2073

Berichte von den Stadtführungen 2012

Die Führung in den Vidmarhallen (29.5.2012)

Die Vidmarhallen im Liebefeld, an der Stadtgrenze zu Bern, blicken auf eine lange und vor allem  baureiche Vergangenheit zurück. Vor mehr als hundert Jahren, 1903, wurde das erste Gebäude errichtet, von da an wurde das Gelände bis in die 1960er-Jahre kontinuierlich erweitert. In den Vidmarhallen, die bis 1989 im Besitz der Familie Wiedemar waren, wurden vor allem Tresore, Kassenschränke und später Büromöbel  hergestellt. Nach der Übernahme der Firma durch die Lista Office AG wurde die Produktion 1992 eingestellt.

Im Jahr 2000 lud die Lista Office drei Architekturbüros ein, Vorschläge für eine langfristige Umnutzung des ehemaligen Industriegeländes auszuarbeiten. Nach zweijähriger Projektphase wurden schliesslich rykart architekten mit der Sanierung und dem Umbau beauftragt. 

Wie der Architekt Oliver Sidler ausführte, lag rykart architekten daran, die vorhandene Qualität der Industriebauten sichtbar zu erhalten und durch konzentrierte Eingriffe zu optimieren. Dank der rollenden Planung der Sanierung, die von Bauherrin und Architekten gleichermassen geschätzt und getragen wurde, konnten sowohl die Bauzeit als auch die Kosten von 21 Mio Franken im ursprünglichen budgetierten Rahmen gehalten werden. Neben zwei Erweiterungsbauten, die sich diskret in die ältere Bausubstanz einfügen, wurde an den Gebäudehüllen kaum Änderungen vorgenommen. Ihr Charakter konnte trotz energietechnischen Verbesserungen bewahrt werden. Auch die alten Stahlfenstern, die zum Teil ebenfalls aus der Produktion der Firma Vidmar stammten, blieben durch eine neue Doppelverglasung ebenfalls erhalten. Zur farbigen Gestaltung griffen die Architekten auf Farben zurück, die schon früher auf dem Areal verwendet worden waren.

Bei der Vermietung der verschiedenen Räume legt die Immobilienverwaltung grossen Wert auf eine gute Durchmischung von Ateliers, Gewerbe, Büroräumen und Verkauf, wie Petra Grognuz erläuterte. Neben dem Stadttheater Bern, das in den Vidmarhallen eine zweite Spielstätte eröffnete, sind grössere Firmen wie zum Beispiel lettra design (Werbetechnik) oder FlagPrint (Fahnenherstellung und Werbetechnik) eingemietet. Daneben beherbergen die Vidmarhallen mit dem Restaurant „Le Beizli“ einen Ort, den es nicht nur wegen der Lage in der umgebauten Industriearchitektur, sondern auch wegen seiner hervorragenden Küche zu besuchen lohnt.

Ebenfalls lohnt es sich aber, über das Gelände zu spazieren und sich vorzustellen, wie in den Vidmarhallen bis vor gut 20 Jahren noch Kassenschränke produziert wurden. Dass dies noch möglich ist, verdanken wir sowohl den Architekten, die den Charme eines der wenigen Industriegelände in Bern erhalten wollten als auch der Bauherrschaft, die davon überzeugt war, dass sich diese Hallen tatsächlich auf sanfte Art umnutzen liessen. 

Oase auf dem Finkenhubel - Die Führung in der Villa Favorite (5.6.2012)

Dass die Villa Favorite kaum 200m von den Gleisen des Berner Bahnhofs entfernt liegt, ist mehr als erstaunlich. An der Schanzeneckstrasse 25 wähnen wir uns umgeben von riesigen alten Bäumen nämlich kein bisschen inmitten der Stadt. Wir schmunzeln, als uns Verena Brunner, die Besitzerin der grünen Oase erzählt, dass das Grundstück beim Bau der Villa Favorite ein rechtes Stück ausserhalb der Stadt Bern gelegen habe.

Seit 12 Jahren gestaltet Verena Brunner die Fabrikantenvilla und die umgebenden Gebäude ihrer Vision entsprechend. In der historischen Liegenschaft vereint sie Wohnen, Arbeiten, Begegnen und Nachhaltigkeit. Das Hauptgebäude fasst neben Wohnungen das bekannte Restaurant Veranda. Geht Ihnen vielleicht jetzt ein Licht auf?  Die namengebende Fensterfront des heutigen Restaurants ist der ehemalige Speisesaal des Park - Hotels Favorite.

Nachdem das Haus erst dem französischen Botschafter als Residenz diente und anschliessend zum Kurbad mit Pension umgenutzt wurde, öffnete 1914 das besagte Park-Hotel Favorite seine Tore. Der Weltkrieg machte jedoch dem Tourismus zu schaffen und das Hotel war kaum rentabel. Eine konstante Phase trat mit der Übernahme durch die Diakonissen ein. Bis 1989 versorgten die reformierten Ordensschwestern alternde und alleinstehende Menschen. Trotz zahlreicher baulicher Optimierungen  erreichte die Infrastruktur in den  90er Jahren ihre Grenzen - und die Liegenschaft wurde durch Verena Brunner erworben.

Auf dem ganzen Areal spielen heute Kinder. Das ehemalige Gesindehaus im Chaletstil hat Verena Brunner 2002 zur Kindertagesstätte umgenutzt. Dass die autofreie Oase ein wahres Spielparadies ist erleben wir auf der Führung hautnah.

Die umfassende und packende Geschichte der Villa Favorite können Sie in einer ansprechenden Broschüre nachlesen, welche im Restaurant verkauft wird. Wagen Sie bei dieser Gelegenheit den Abstecher von der hektischen Schanzenstrasse in die entschleunigte Schanzeneckstrasse. Sie werden staunen, wie diese Ecke erst als Sackgasse anmutet und Ihnen anschliessend das Tor zur Oase am Finkenhubel öffnet.

Die Weichenbauhalle wird Auditorium - Die Führung auf dem von Roll Areal (15.5.2012)

Das ehemalige Areal der Von Roll Stahlwerke bietet heute Platz für Studierende der Pädagogischen Hochschule und der Universität. In den Rollen von Lukas und Sophia stellen Kilian Baumann und Susanna Krähenbühl von der Abteilung Bau und Raum der Uni Bern einen Tag im Leben von zwei Studierenden im Hochschulzentrum Von Roll vor und führen durch die verschiedenen Hörsäle. Wie innere Organe hauchen diese der ehemaligen Weichenbauhalle als einzelne Kuben neues Leben ein. Dank ausgezeichneter Akustik, erfordert es im Hörsaal kaum mehr eines gewaltigen Stimmorgans um vor 300 Studierenden zu dozieren. Das schlichte Design animiert zu voller Konzentration - statt aus dem Fenster kann der Blick aus dem Kubus heraus zur originalen Bausubstanz mit nietenbesetzten Trägern schweifen.     

Führung in der Lorrainebrücke

Die im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals 2011 durch uns organisierte Besichtigung des Inneren der Lorrainebrücke in Bern war derart auf grosses Echo gestossen, dass wir die Veranstaltung Ende April 2012 wiederholten – wiederum mit ungewöhnlichem Erfolg. Heinrich Kappeler, Tiefbauamt Stadt Bern und Andrzej Rulka, Berner Heimatschutz, Region Bern-Mittelland führten rund 150 Personen in vier Führungen durch das Werk des bedeutenden Ingenieurs Robert Maillart (1872 – 1940) und machten so die verborgene Konstruktion des Bauwerks erfahrbar. 

Die Lorrainebrücke wurde 1928/30 erbaut und ersetzte die legendäre Rote Brücke. Dieser doppelte Aareübergang – oben Eisenbahn, unten Strassenverkehr und Fussgänger – konnte allerdings erst 1941, nach der Inbetriebnahme der neuen Eisenbahnbrücke, abgebrochen werden.

Denkmal neu gedacht – ein vielschichtiger Denkanstoss

Ein Bericht über den Vortrag anlässlich der Jahresversammlung 2012

„Superposition“ nennt Michael Locher, Dipl. Architekt ETH und Dozent an der Fachhochschule Burgdorf, seine These, welche er im Rahmen der Hauptversammlung am Beispiel der Berner Altstadt präsentiert. Es ist ein Ansatz, der die schonende und zeitgemässe Entwicklung der historischen Substanz anstrebt. Die „Superposition“ steht für „Überlagerung“ oder „Schichtenprinzip“ und begünstigt Entwicklungen entlang verschiedener Stränge, ohne dass sich diese gegenseitig negativ beeinflussen. Eine Möglichkeit also alle Entwicklungsrichtungen zu rechtfertigen? Nein. Der Ansatz von Locher basiert darauf, durch eine Brille zu blicken, die erkennen lässt, wo einerseits Entwicklungsraum besteht ist und zugleich Motive und Elemente vorhanden sind, welche neu interpretiert werden können. Das Resultat dieser Betrachtung soll eine zusätzliche „Schicht“ sein, welche der bestehenden Substanz angefügt werden kann ohne sie zu stören. Es ist kein Zufall, dass die Berner Altstadt heute als Einheit erscheint. Auch in der Vergangenheit wurden Entwicklungsschritte ganzheitlich vorgenommen. Beispiele dafür sind die Erhöhung der Stockwerke, die Überdachung der Hinterhöfe und die Umgestaltung der Fensterfronten, welche im Sinne von Schichten über die gesamte Altstadt gelegt wurden.

Am Beispiel eines erhöhten, turmähnlichen Treppenhauses (rote Quader) liefert uns Michael Locher die Visualisierung einer zeitgenössischen Schicht. Ein Denkanstoss, nach welchem das Denkmal „Berner Altstadt“ neu gedacht und entwickelt werden könnte. Nicht jedermanns Sache natürlich aber auf jeden Fall eine berechtigte Aufforderung, einem Paradigmenwechsel ins Auge zu schauen: Behutsamkeit im Zusammenhang mit Denkmalpflege umfasst nicht nur Instandhaltung und Reparatur. Behutsamkeit liegt auch der „Superposition“ zu Grunde, Lochers Prinzip, das die Suche nach Entwicklungsmöglichkeiten mit Weitblick und Umsicht vereint. „Man kann nicht nur wissen, was man nicht will, sondern man sollte wissen was man will“, regt Michael Locher den Denkmalschutz an und wünscht sich im gleichen Zug mehr mutige Planerinnen und Planer, welche Wege für schonende und praktikable Entwicklungsmöglichkeiten suchen und auch begehen – ein vielschichtiger Denkanstoss. Danke für das sehr interessante Referat. (kj)

Zu Tisch

Kurzbericht zur Besichtigung der Brauerei Egger als pdf.